Die miserablen Arbeitsbedingungen an bayerischen Hochschulen müssen ein Ende haben
Bei einem Gespräch der mittelfränkischen SPD Landtagsabgeordneten Helga Schmitt-Bussinger, Angelika Weikert und Arif Tasdelen mit Personalrätinnen der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Technischen Hochschule Georg-Simon Ohm (TH), wurde vor Allem die enorme Belastung des Personals durch Befristungen und unsichere Finanzierung ihrer Stellen kritisiert

Die Vertreterinnen des Personalrats der FAU kritisierten, dass schon lange nicht mehr gilt: Eine Stelle steht für einen Mitarbeiter. „Wenn ein Professor stolz sagt, dass er eine wissenschaftliche Stelle ‚nur‘ halbieren würde, gibt uns das schon sehr zu denken. Stellen werden halbiert, oft gedrittelt, oder sogar geviertelt. Davon kann niemand leben“, gibt Renate Kopp-Juhnke, Vorsitzende des Gesamtpersonalrats der FAU zu bedenken. Die Stückelung von Stellen führe zu Konkurrenzdruck und Selbstausbeutung, was von einigen Professoren billigend hingenommen würde. Vieles würde über kurzfristige und unsichere Projektmittel oder Sondermittel des Freistaats finanziert. Zudem seien die Stellen des wissenschaftsunterstützenden Personals häufig sachgrundlos befristet. So betrug der Befristungsanteil bei Neueinstellung im Jahr 2013 an beiden Hochschulen 94%. Oft sind diese Befristungen nur auf ein halbes Jahr ausgelegt. „Es muss den Menschen, die bspw. promovieren, die Möglichkeit gegeben werden, dass sie vier oder fünf Jahre ein gesichertes Einkommen als Mitarbeiter an der Uni haben“, meint Arif Tasdelen. Um die Missstände zu beheben und gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, bräuchte es Kontinuität bei den Haushaltsmitteln und zusätzliche Personaldauerstellen, fordern die Personalvertreterinnen an die Adresse der Staatsregierung.
Schmitt-Bussinger: „Ziel muss es sein, die Zeit der Befristung zu verlängern, oder am besten unbefristet einzustellen. Der Staatsregierung muss gut ausgebildetes wissenschaftliches und wissenschaftsunterstützendes Personal etwas wert sein. Dazu muss der Personaletat der Hochschulen erhöht werden. Diese Flickschusterei mit Sondertöpfen müsste dem Wissenschaftsminister eigentlich enorm peinlich sein. Aber leider ist es an der Tagesordnung.“ Es sei auch üblich, dass insb. wissenschaftsunterstützendes Personal Arbeit mache, das deutlich über ihrer Entlohnung liege, weil zu wenig Geld für höherwertige Stellen zu Verfügung stehe. Auch Akademiker/-innen würden aus Mangel an Job-Perspektiven in der Wissenschaft als Sekretariatskraft oder Technische Assistenten arbeiten. Aus Angst, auch diese Einkommensquelle zu verlieren, traue sich niemand laut zu beklagen.
Genau dies wäre aber, so die Landtagsabgeordneten, der richtige Weg. Angelika Weikert: „Die Beschäftigten müssen aus der Deckung kommen und der Staatsregierung klar machen, dass solche Arbeitsbedingungen für ein Land, das High-Tech- und Top-Wissenschaftsstandort sein will, eine Schande ist.“ Um dies zu erreichen, so die Personalrätinnen, müsse auch die Mitbestimmung des Personalrats auf den Mittelbau ausgedehnt werden, damit auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter eine starke Vertretung ihrer Interessen bekämen.
Problemlos, so die Personalvertreterinnen von TH und FAU, lief die Einführung des Mindestlohns ab. „Die wöchentliche Dokumentationspflicht ist nach etwas Eingewöhnung schnell und unkompliziert zu meistern“, so Felizitas Heinebrodt vom Personalrat der TH Nürnberg.
Die Abgeordneten versprachen, sich weiter für gute Arbeitsbedingungen an den bayerischen Hochschulen und für eine starke Personalvertretung einzusetzen. Erst letzte Woche wurde ein Antrag im Hochschulausschuss einstimmig verabschiedet, der die Staatsregierung auffordert, den Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse für wissenschaftsunterstützendes Personal zu senken.








