SPD fordert Beibehaltung der doppelten Staatsbürgerschaft

Doppelpass gehört in Nürnberg zur Lebenswirklichkeit

  • von  Thorsten Brehm
    24.08.2016
  • Unterbezirksbüro, Stadtrat Nürnberg, Thorsten Brehm, Beiträge [Partei]

Mit Kopfschütteln kommentiert Thorsten Brehm die Forderung der CSU, zum alten Staatsbürgerschaftsrecht zurückzukehren. „Mit der SPD ist das nicht zu machen. Der Doppelpass bleibt“, unterstreicht der Nürnberger SPD-Vorsitzende die Position der Sozialdemokraten.

„Die jetzige Regelung zur doppelten Staatsbürgerschaft ist eine große Errungenschaft und war ein Fortschritt für die Integrationspolitik“, meint der SPD-Politiker und findet es perfide, dass die Innenminister der Union das Thema nun im Kontext der Inneren Sicherheit auf die Agenda gebracht haben. „Das hat damit nichts zu tun. Das ist eine pauschale und grundlose Misstrauenserklärung gegenüber den Betroffenen.“

Das städtische Statistikamt wertete zuletzt vor zwei Jahren die Daten für Nürnberg aus. Schon damals besaßen über 60.000 Deutsche eine weitere nichtdeutsche Staatsbürgerschaft. „Die doppelte Staatsbürgerschaft ist in Nürnberg Lebenswirklichkeit. Das sollte die CSU endlich anerkennen“, fordert Brehm und ist sich sicher, dass die Anzahl mittlerweile noch gestiegen ist. „Wer Menschen integrieren will, muss ihnen die Teilhabe an unserem gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Das heißt aber nicht, dass man jemanden im Gegenzug einen Teil seiner Biographie und Identität nehmen muss. Wenn beispielsweise Eltern unterschiedliche Staatsangehörigkeiten besitzen, spricht nichts dagegen, dass die Kinder beiden angehören.“

In der genannten Auswertung waren Deutsche mit einer zweiten Staatsangehörigkeit aus den EU-Mitgliedstaaten mit fast 25.000 Personen am häufigsten vertreten. Deutsche mit zusätzlicher rumänischer bzw. polnischer Staatsangehörigkeit führen dabei in Nürnberg die Rangliste an. Zweite Staatsangehörigkeiten aus Ländern außerhalb der EU waren häufig aus der Türkei, dem Irak, der USA und von Spätaussiedlerstaaten der ehemaligen Sowjetunion. Im Falle der Aussiedlerstaaten waren mit zusammen rund 14.000 Personen die russische, ukrainische und kasachische Staatsangehörigkeit besonders häufig.