Arbeit ist die beste Integration

  • von  Helga Schmitt-Bussinger
    22.01.2016
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Die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit stellt in Schwabach ein Coaching-Programm bei Berufspraktika für Menschen mit Fluchtgeschichte in Aussicht. Neue Chancen bieten die 75 Millionen Euro Sondermittel, die allein in Bayern für Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen zusätzlich bereitgestellt werden.

Auf Einladung der Schwabacher Landtagsabgeordneten Helga Schmitt-Bussinger kam der Chef der Arbeitsagenturen in Bayern, Dr. Markus Schmitz zu einem Gedankenaustausch über Wege der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen nach Schwabach. Gemeinsam mit Elsa Koller-Knedlik, der Verantwortlichen auch für die Arbeitsagentur Schwabach, erläuterte er neue Strategien und Möglichkeiten, die sich für Flüchtlinge eröffnen. 

Schwabach hat hierfür sehr gute Voraussetzungen: „Durch die gute Arbeit des Jobcenters Schwabach unter Leitung von Benno Rupprecht, wurde die Zahl der Langzeitarbeitslosen reduziert. Darüber hinaus gibt es in Schwabach offene Ausbildungs- und Arbeitsplätze, welche auch für Flüchtlinge in Frage kommen“, so Koller-Knedlik. Die bayerischen Bürgerinnen und Bürger würden hierbei aber keinesfalls benachteiligt. Im Gegenteil: „Alle Leistungen für die Flüchtlinge sind zusätzlich. Ich kann feststellen, dass es kaum Einwanderung in die Sozialsysteme gibt, die große Mehrheit hat Arbeit in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen gefunden“, unterstreicht Koller-Knedlik.

Auch gibt es bereits Schwabacher Firmen, die ihr Interesse an der Beschäftigung von Flüchtlingen bekundet haben. „Schwabacher Handwerksbetriebe melden uns regelmäßig nicht vergebene Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Das kann eine Chance sein, die Nachwuchssorgen im Handwerk zu mindern“, ergänzt Sebastian Dörr, Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft Mittelfranken Süd. 

Der Schwerpunkt für die Vermittlung in Praktika, Ausbildungs- oder Arbeitsplätze liege dabei eindeutig bei Flüchtlingen mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit aus Syrien, Irak, Iran und Eritrea. Diese Gruppe mache laut Koller-Knedlik etwa zwei Drittel aller Flüchtlinge, die in Schwabach untergebracht sind, aus. Andrea Schmidt, Geschäftsführerin der Familien- und Altenhilfe Schwabach und Koordinatorin für Berufspraktika für Flüchtlinge hofft auf reges Interesse seitens der Schwabacher Wirtschaft. Wünschenswert wäre hier eine Begleitung bzw. ein Coaching durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsagentur.  

Dr. Schmitz und Koller-Knedlik sagten zu, diese Möglichkeit ernsthaft zu überprüfen. „So würden die Betriebe von zusätzlicher Arbeit entlastet und die jungen Menschen hätten kompetente Ansprechpartner. Mit 75 Millionen Euro zusätzlich bereitgestellter Mittel stehen viele Türen offen. Wir sind dankbar für neue Ideen“, meinte Dr. Schmitz. So sollen eine Vielzahl an Unterstützungsmöglichkeiten, sowohl in der dualen Ausbildung, als auch in Form von ausbildungsbegleitenden Hilfen bis hin zu einem sognannten Brückenjahr greifen, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. "Gerade beim ersten Kontakt mit dem Jobcenter sind die anerkannten Flüchtlinge vor eine große Herausforderung gestellt, was das Ausfüllen der Formulare betrifft. Ab Februar werden hierfür Ehrenamtliche des AsylCafés mit Unterstützung des Jobcenters Schwabach Beratungsstunden anbieten", fügt Evi Grau-Karg, Vertreterin des AsylCafés Schwabach, hinzu. 

Die Expertenrunde war sich einig, dass solche Gespräche, wie heute sehr wichtig sind, damit Verantwortliche vor Ort wissen, welche Möglichkeiten die Agentur für Arbeit eröffnet und diese im Gegenzug erfährt, wo Handlungsbedarf besteht. Alle Beteiligten der Gesprächsrunde bekräftigten die grundlegende Notwendigkeit des Deutschlernens. „Es liegt zwar auf der Hand, muss aber immer wieder betont werden: Ohne Deutsch zu lernen, ist eine Integration in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt kaum möglich“, so Schwabachs Sozialreferent Knut Engelbrecht. Hier reicht das momentane Angebot nach Einschätzung aller anwesenden Experten aber noch nicht aus. Die Agentur für Arbeit hat auch dies frühzeitig erkannt und versucht mit Projekten wie der „berufsbezogenen Sprachförderung“, in welchem bereits 74 Schwabacher Asylbewerber teilnehmen, unterstützend tätig zu sein. Wichtig ist, dass diese Maßnahme auch im Jahr 2016 fortgeführt wird.

 

Lehrkräfte an Schwabacher Schulen sehen noch weitere Schwierigkeiten. Birgit Citak, Klassenleiterin einer Übergangsklasse für nichtdeutsche Muttersprachler an der Johannes-Kern-Mittelschule moniert: „Ich habe ein Klasse mit verschiedensten Nationalitäten und Leistungsniveaus. Von Förderschul- bis Gymnasialniveau ist dabei alles vertreten. Hierbei einen adäquaten Unterricht zu leisten ist eine große Herausforderung.“ Peter Birle, Schulleiter der Schwabacher Berufsschule fügt hinzu: „Ich würde mich freuen, wenn erfolgreiche Modellprojekte wie „Perspektive Beruf für Asylbewerber und Flüchtlinge“ in der nächsten Zeit auch in Schwabach eingeführt würden.

Susanne Rohrmüller, Bereichsleitung für Gruppen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen bat um Verständnis dafür, dass das Leistungsvermögen und die Leistungsbereitschaft der Geflüchteten manchmal jedoch eingeschränkt seien. „Die Jugendlichen haben teilweise Schreckliches erlebt, sind von ihren Familien getrennt und leiden unter dem unsicheren Aufenthaltsstatus. Aufgrund fehlender therapeutischer Angebote im Bezirk ist rasche psychologische Hilfe kaum möglich. Da ist es nachvollziehbar, dass im Unterricht nicht immer die volle Leistung erbracht werden kann“, so Susanne Rohrmüller.  

Das Jahr 2016 bietet eine Menge konkreter Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration - auch in Schwa-bach. Die Arbeitsagentur, das Jobcenter, Schulen und weitere Beteiligte werden diese Möglichkeiten nutzen. Aber auch Wünsche an die Politik wurden formuliert. Von einer auskömmlichen Personal- und Finanzausstattung für Jobcenter und Arbeitsagenturen, über eine bessere Förderung von Flüchtlingskindern vor Eintritt in Regelklassen und dem Ausbau von Berufsintegrationsklassen bis hin zur besseren Unterstützung der ehrenamtlich Tätigen und einer massiven Förderung des sozialen Wohnungsbaus reichte die Wunschliste. Abgeordnete Schmitt-Bussinger will sich dafür einsetzen. Einig war man sich auch, dass solche Treffen für alle Beteiligten von Nutzen sind. Schmitt-Bussinger kündigte eine erneute Gesprächsrunde zur Jahresmitte an.