Psychisch kranke Menschen beim Thema Barrierefreiheit nicht vergessen
Nach einem Besuch der „arbewe gemeinnützige GmbH“ fordert die Nürnberger Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion von Politik und Gesellschaft eine höhere Sensibilisierung bezüglich Menschen mit psychischen Erkrankungen.

„Bei Barrierefreiheit denken wohl die meisten Menschen an Veränderungen baulicher Barrieren. Menschen mit psychischen Erkrankungen haben jedoch ganz anderer Formen von Barrieren zu überwinden. Unterstützung bei Behördenangelegenheiten, die Schaffung eines „angstfreien“ Raums und beständige und nicht häufig wechselnde Ansprechpartner, Budgetassistenz und Sensibilisierung der Öffentlichkeit sind hier bspw. notwendige Anforderungen“, so die Geschäftsführerin der arbewe, Anke Triebel. Beim Stichwort Behinderung und Barrierefreiheit befinden sich Menschen mit psychischer Erkrankung meist nicht im Blickfeld. Eine Begründung dafür mag in den wohl nicht auf den ersten Blick so offensichtlichen Einschränkungen dieses Personenkreises liegen. „Soziale Gerechtigkeit schließt alle Menschen mit ein. Wir müssen dafür sorgen, dass psychisch kranke Menschen bei dem Schaffung von Barrierefreiheit im bayerischen Freistaat mehr berücksichtigt werden“, so die Landtagsabgeordnete Helga Schmitt-Bussinger.
Bei dem Fachgespräch in der Werkstatt für psychisch behinderte Menschen der arbewe informierte sich die Landtagsabgeordnete über die Besonderheiten des Personenkreises psychisch kranker Menschen, der oftmals mit negativen Vorurteilen der Gesellschaft zu kämpfen hat. Durch ihre Erkrankung, die beispielsweise mit Leistungs- und Konzentrationsschwankungen, geringer Ausdauer, Flexibilität und Belastbarkeit und oft auch Rückzugsverhalten einhergeht, benötigen Menschen mit psychischer Erkrankung stabile Rahmenbedingungen und verlässliche Ansprechpartner.
Zur Unterstützung psychisch kranker Menschen bietet die arbewe ein breitgefächertes Angebot an Möglichkeiten zur Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft, insbesondere in Werkstätten für psychisch behinderte Menschen, Arbeitstherapie, Zuverdienst und Integrationsbetrieb sowie individuelle Unterstützung und Begleitung in ambulanten und stationären Wohnangeboten. Weiterhin bietet das Beratungszentrum für seelische Gesundheit der arbewe psychisch kranken Menschen und deren Angehörigen psychosoziale Beratung und Betreuung. Neben deutschsprachiger Beratung wird hier insbesondere Menschen aus dem früheren Jugoslawien sowie türkisch- und russischsprachigen Bürgern psychosoziale Beratung und Betreuung angeboten.
Circa 30 % aller Bürgerinnen und Bürger in Deutschland haben mindestens einmal in ihrem Leben mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen und bei wiederum einem Drittel der Betroffenen wird die Erkrankung chronisch und zu einer dauerhaften Beeinträchtigung. Dennoch fallen Menschen mit einer psychischen Krankheit bei dem Thema Barrierefreiheit oft aus dem Raster.








