Gedenken zu Verbot und Zerstörung der "Fränkischen Tagespost"

Kurzbericht zur Gedenkveranstaltung am 8.3.2013

  • von  Redaktionsteam
    12.03.2013
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Am 9. März 1933 wurde die „Fränkische Tagespost" verboten, das Verlagsgebäude von den Nazis besetzt und die Einrichtung zerstört.

Das heutige SPD-Haus in der Nürnberger Karl-Bröger-Straße war von 1930 bis zum Machtantritt der Nationalsozialisten Sitz der sozialdemokratischen Zeitung „Fränkische Tagespost". Bereits sehr frühzeitig engagierte sich die »Fränkische Tagespost« gegen den erstarkenden Nationalsozialismus, widmete der Berichterstattung über rechte Umtriebe eine eigene Seite.

Mit einer Gedenkveranstaltung am 8. März gedachte die Nürnberger SPD diesen Ereignissen.

Bereits in Ihrer Begrüßung erinnerte die stellvertretende Parteivorsitzende der Nürnberger SPD, Angelika Weikert an den schrecklichen Überfall in der damaligen Nacht.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ehemals verfolgter Sozialdemokraten Franken, Reiner Wagner schilderte die Geschehnisse in jenen Tagen vor und nach der Machtergreifung durch die Nazis in Nürnberg. Dabei betonte er, dass die SPD sich bewusst für ein legales demokratisches Handeln entschieden hatte und vertraute dabei auf die gut organisierte und treu zur SPD stehende Arbeiterschaft. Leider wurde die Brutalität der Nazis unterschätzt. Nicht nur das Gebäude der Verlagsanstalt wurde angegriffen und verwüstet, sondern viele Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten terrorisiert: „Die meisten Mandatsträger und Parteisekretäre wurden ab April verhaftet, sodass bei dem offiziellen Verbot am 22. Juni 1933 bereits keine funktionierende Organisation mehr vorhanden war", so Reiner Wagner.

Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly zog in einem Grußwort Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft. Geschichte wiederhole sich zwar nicht, dennoch würden einige Mechanismen nach wie vor greifen. So treffe rechte Propaganda auch heute eher auf fruchtbaren Boden, wo Menschen soziale Abstiegsängste erleiden und vor einer unsicheren beruflichen Zukunft stünden.

Den Hauptvortrag des Gedenkens hielt die Nürnberger Historikerin Nadja Bennewitz. Mit sehr profunden Kenntnissen und hervorragendem Bild- und Dokumentationsmaterial machte Sie dieses dunkle Kapitel der Geschichte für die Zuhörer erfahrbar. Auch in ihrem Vortrag wurde deutlich, dass die SPD lediglich mit einer kurzen Episode der Nazi-Herrschaft rechnete. Vielmehr glaubte man an eine schnelle Überwindung des Hitler-Regimes durch den Zusammenhalt der Arbeiterschaft. Noch am 12. Februar 1933 gelang es der SPD und der Eisernen Front eine Massenkundgebung auf dem Hauptmarkt mit 60.000 Teilnehmern zu mobilisieren. Noch deutete nicht viel auf die bevorstehenden Zerstörungen, Misshandlungen, Verhaftungen und Ermordungen hin.

Die Gedenkveranstaltung endete mit einer sehr stimmungsvollen Lesung von Beiträgen aus der letzten Ausgabe der Fränkischen Tagespost vor der Zerstörung des Gebäudes, vortragen durch drei Jugendliche der Nürnberger Jungsozialisten. In diesen Beiträgen konnte man zwar eine nervöse Grundstimmung in der Berichterstattung der Tagespost am letzten Tag ihres Erscheinens erkennen. Doch auch in dieser Ausgabe kam die latent hoffnungsvolle Grundhaltung einer schnellen Überwindung der Nazis zum Ausdruck.

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